Sozialisisierung & Gewöhnung

von Welpen

 

Sozialisierung beim Welpen - wie?

In fast jedem Welpenbuch ist das große Schlagwort „Sozialisierung“ zu finden. Der Welpe soll bis zur 16. Lebenswoche möglichst viel erlebt und gesehen haben, damit er auf sein späteres Leben vorbereitet ist.

Der Wochenplan vieler Welpen ist genauso straff durchorganisiert wie der schulpflichtiger Kinder. Montags Besuch der Hundeschule; dienstags Innenstadt, Bahnhof und Hundewiese; mittwochs Kleintierzoo und große Streichelrunde; donnerstags Besuch der Kindergartenfreunde der Tochter; freitags Tierarztbesuch, Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Hundewiese; samstags Hundeschule und sonntags – kuscheliger Familientag...

Dazwischen ist noch Zeit für Sitz, Platz, Fuß und Hier sowie das Laufen an lockerer Leine, soll der Welpe möglichst schnell lernen – und an das Alleine bleiben muss er schließlich auch noch gewöhnt werden.

SOZIALISIERUNG – WAS IST DAS ÜBERHAUPT?

Mit dem Begriff „Sozialisierung“ verbinden viele Menschen eine gute Vorbereitung auf das spätere Leben des Hundes. Der Welpe soll in der sensiblen Phase seines Lebens (bis zur 16. Lebenswoche) andere Tiere, Menschen und unterschiedliche Hundetypen, positiv kennenlernen. Dieser kurzen Zeit wird eine besondere Beachtung geschenkt, weil der junge Hund in diesen Wochen besonders schnell und nachhaltig lernt. Der Welpe soll erfahren, dass andere Lebewesen ungefährlich sind und im Idealfall lernt er auch, wie er sich ihnen gegenüber angemessen verhalten soll.

Im Wort „Sozialisierung“ steckt „sozial“. Bei der „Sozialisierung“ geht es ausschließlich um die Interaktion mit Lebewesen.

Wenn Sie Ihrem Welpen die Welt zeigen, wie zum Beispiel verschiedene Gegenstände, Untergründe und Verkehrsmittel spricht man nicht von Gewöhnung.

Die Sozialisierung und Gewöhnung reichen jedoch weit über die Welpenzeit hinaus, denn Hunde lernen ein ganzes Hundeleben lang.

Es reicht nicht aus, einem jungen Hund einmal einen Staubsauger, einen Bus und ein Pferd zu zeigen und dann anzunehmen, dass er jetzt diese Dinge kennt, sie als positiv erlebt hat und automatisch weiß, wie er sich zukünftig richtig verhalten soll. Deshalb ist es sinnlos, einen ganzen „Sozialisierungsmarathon“ in den ersten sechzehn Wochen zu veranstalten, mög­­lichst viele Erlebnisse in diese Zeit zu planen und sich dann anschließend darauf auszuruhen. Zudem bedeutet das viel Stress für Hund und Mensch.
Verzichten Sie lieber auf ein paar Ausflüge und achten Sie darauf, dass Ihr junger Hund tatsächlich positive Erfahrungen sammelt.

Positive Erfahrungen sammeln ist leichter gesagt als getan. Eine positive Lernerfahrung in unserem Sinne wird der Hund nämlich nur dann machen, wenn die Bezugsperson des Hundes dafür sorgt, dass der Hund alle Konflikte, die im Alltag auftreten, selbst und mit erwünschtem Verhalten lösen kann. Der Hundehalter muss die Körpersprache seines Welpen lesen können und erkennen, wann er rechtzeitig eingreift.

Vermeiden Sie eine Überforderung Ihres Welpen!

Ein junger Hund muss neue Reize dosiert erleben. Sorgen Sie für ausreichend lange Schlaf- und Ruhezeiten, denn die Eindrücke müssen im Gehirn verarbeitet werden. Bei Reizüberflutung wird der Hund auf Dauer nervös, ängstlich und weniger stressresistent gegenüber Umweltreizen.

Bei der Sozialisierung und der Gewöhnung ist weniger oft viel mehr!

Zeigen Sie Ihrem Welpen die große weite Welt behutsam, damit er wirklich positive Lernerfahrungen sammeln kann. Dieser Grundsatz gilt übrigens nicht nur für die Welpenzeit, sondern ein ganzes Hundeleben lang. Lernen ist die Summe aller Erfahrungen. Ihre Aufgabe als Bezugsperson ist es, Ihren Hund darin zu unterstützen, dass er, egal wie alt er ist, das Richtige lernt.

Vermeiden Sie es, auf große Hundewiesen zu gehen und Ihrem Hund möglichst viele Hunde vorzustellen. Wählen Sie stattdessen Hundebegegnungen sorgsam aus und sorgen Sie für die richtigen Erfahrungen! Ihr Welpe soll gute Erfahrungen mit nach Hause nehmen, denn nicht jeder fremde Hund ist freundlich zu Welpen und nicht von jedem anderen Hund kann Ihr Welpe etwas Positives lernen.

Auch sollten Sie eines im Hinterkopf haben: Trotz sorgfältiger „Sozialisierung“ kann es dennoch vorkommen, dass Ihr Hund mit einem Reiz plötzlich ein Problem haben kann, obwohl das bisher nicht der Fall war. Das kann an seiner Entwicklung liegen, z.B. sind Angstphasen besonders typisch in der Junghundezeit, oder auch an bisherigen Lernerfahrungen.

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© Sascha Hermanns