Vererbungsschema

Erbkrankheiten und deren Vererbung- ein schwieriges Thema

Um ein wenig Einblick in die Vererbung von Erbkrankheiten zu bekommen, wollen wir dir hier einen kleinen Überblick geben und die wichtigsten Begriffe kurz erklären.

Jedes genetische Merkmal setzt sich aus einer Kombination von zwei Genen zusammen. Bei der Entstehung des Welpen im Mutterleib bekommt dieser Welpe von beiden Eltern immer jeweils eins der beiden Gene mit. Welches davon weitergegeben wird, ist Zufall! Aus diesem Grund ist Genetik immer auch mit Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung verbunden. Aber keine Panik – wir haben vorgesorgt.

Das Genom (also der Bauplan) des Hundes verteilt sich auf 78 Chromosomen. Davon sind zwei Stück die sogenannten Gonosomen, oder auch Geschlechtschromosomen genannt. Die Kombination XX steht für weiblich, XY für männlich. Die restlichen 38 Chromosomenpaare nennt man Autosomen oder auch Körperchromosomen. Auf diese 78 Chromosomen verteilen sich ungefähr 19.000 verschiedene Gene.

      

Wenn wir von einer autosomalen Erbkrankheit sprechen, bedeutet das, dass sich diese Krankheit auf einem der Körperchromosomen befindet.

Sprechen wir von einer gonosomalen Erbkrankheit, befindet sie sich auf einem der Geschlechtschromosomen.

Der Großteil der testbaren Krankheiten beim Hund sind sogenannte autosomal rezessive Erbkrankheiten. Rezessiv bedeutet, dass zwei Kopien des kranken Gens vorhanden sein müssen, damit die Krankheit ausbricht. Das Gegenstück dazu nennt man autosomal dominant. Dominant bedeutet, dass eine Kopie ausreicht um die Krankheit ausbrechen zu lassen.

Warum sind die meisten Krankheiten autosomal rezessiv?

DNA-Tests sind erst seit einigen Jahren so ausgereift, dass man damit zuverlässig arbeiten kann. Es ist erst knapp 15 Jahre her, dass das Genom des Hundes überhaupt entschlüsselt wurde! Den Luxus solcher Tests hatten Hundezüchter vor dieser Zeit nicht. Es gab keine Möglichkeit einen Hund auf Erbkrankheiten zuverlässig zu testen. Das bedeutet, dass eine Krankheit erst dann sichtbar wurde, wenn Welpen einer Verpaarung davon betroffen waren. In dem  Moment war klar, dass beide Eltern Träger sein müssen. Es ist sehr gut möglich, dass eine solche Krankheit sich also unbemerkt über Generationen weitergegeben hat und erst später zufällig zu Tage trat.

Dominante Krankheiten hingegen konnten auch vorher schon sehr schnell bekämpft werden – bei einem dominanten Erbgang kann nur ein betroffener Hund das Gen auch weitergeben. Es ist hier also nicht möglich, dass die Krankheit über Generationen unbemerkt bleibt. Deswegen gibt es so gut wie keine dominanten Erbkrankheiten mehr, aber sehr viele rezessive.

Hinsichtlich rezessiver Erbkrankheiten gibt es drei Möglichkeiten die ein Hund aufweisen kann.

1. Er hat zwei Kopien eines gesunden Gens. Er ist nicht von der Krankheit betroffen und kann sie auch nicht weiter vererben. Im Folgenden nennen wir diese Kombination g/g (für gesund) oder Frei.

2. Er hat eine gesunde und eine kranke Kopie des Gens. Er ist ebenfalls nicht von der Krankheit betroffen, kann sie aber weiter vererben. Wir nennen diese Kombination g/k (für gesund / krank) und bezeichnen einen solchen Hund als Träger.

3. Er hat zwei kranke Kopien des Gens. Dieser Hund ist von der Krankheit betroffen und gibt sie auch an alle Nachkommen weiter. Meist nennt man diese Hunde Betroffen oder Affected.

Komplizierter wird es jetzt, wenn wir ermitteln wollen, wie sich die Krankheit weiter vererbt. Wir wissen bereits, dass immer eins der beiden Gene von jedem Elternteil weitergegeben wird und dass dies Zufällig geschieht – sprich, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% für jedes Gen.

Ein freier Hund (mit der Kombination g/g) gibt zu 100% ein gesundes Gen weiter.

Ein Träger (mit der Kombination g/k) gibt zu 50% ein gesundes und zu 50% ein krankes Gen weiter.

Ein betroffener Hund (mit der Kombination k/k) gibt zu 100% ein krankes Gen weiter.

Diese Wahrscheinlichkeiten werden für beide Eltern miteinander kombiniert.

Verpaart man zwei freie Hunde miteinander, sind 100% der Welpen ebenfalls frei.

Wenn ein freier Hund und ein Träger miteinander verpaart werden, sind statistisch 50% der Welpen ebenfalls Träger und 50% frei. 0% der Welpen sind betroffen.

Verpaart man zwei Träger miteinander, ist statistisch nur ein Viertel bzw. 25% des Wurfes frei von der Krankheit. 50% sind ebenfalls Träger und 25% sind Betroffen. Die ist ein Beispiel dafür, wie eine Krankheit, die bei beiden Eltern nicht sichtbar war dennoch bei einem Welpen auftreten kann.

Wie du siehst ist das Prinzip der autosomal rezessiven Krankheiten gar nicht so kompliziert. Jedoch gibt es auch Krankheiten die leider nicht ganz so einfach zu verstehen sind. Es gibt immer wieder Fälle wo eine Krankheit auftritt obwohl das statistisch nicht möglich wäre. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Ein Test war nicht 100% zuverlässig, die Krankheit wurde nicht korrekt diagnostiziert, viele Dinge wie Epilepsie oder Morbus Addison können auch durch Umwelteinflüsse ausgelöst oder „getriggert“ werden oder diese Krankheit ist schlichtweg nicht einfach autosomal rezessiv, sondern hängt zum Beispiel von mehreren Faktoren ab (genannt multifaktoriell).Neue Krankheiten entstehen durch Mutationen im ganz frühen Entwicklungsstadium eines Welpen. Mutationen passieren immer und sind auch eigentlich eine gute Sache, weil sie die Evolution voranbringen. Es kann aber ebenso passieren dass auch ein krankes Gen weiter mutiert und deswegen „anders aussieht“ (also nicht identifizierbar ist) oder eben ganz neu entsteht. Sowas kann niemand vorher wissen, geschweige denn planen.

DNA-Tests sind ein unglaublich wertvolles Werkzeug der modernen Hundezucht und viele gesundheitliche Probleme lassen sich damit hervorragend bekämpfen. Jedoch ist dies auch ein Gebiet, das noch sehr jung ist. Wir müssen zwangsläufig hinnehmen, dass wir nicht alles testen und berechnen können wie wir gerne wollen. Und wir müssen auch hinnehmen, dass in der Evolution und Natur nicht immer alles einem Plan folgt. Wir nutzen all  unsere Möglichkeiten , doch Sicherheit gibt es bei der Entstehung von Leben leider nicht.

 

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© Sascha Hermanns